Die Geschichte eines Einsiedlers

Es war einmal ein junger Mann. Er lebte in einer wunderschönen Landschaft und es war seine Gewohnheit, sich über alles in der Natur zu freuen. Er bewunderte von Morgen bis Abend die Schönheiten des Schöpfers und bedankte sich im direkten Gespräch bei Ihm. Dies gefiel dem Schöpfer sehr und so entschloss Er sich, dem jungen Mann noch mehr Freude zu schenken. Er sandte ihm zwei bezaubernde kleine Vögel, die den ganzen Tag für ihn wunderschöne Lieder sangen. Der junge Mann war begeistert! Er sang mit ihnen und empfand noch mehr Freude als zuvor! Eines Tages bekam er von einem Wanderer Besuch. Es war ein schon etwas älterer Mann, und der junge Mann kam mit ihm ins Gespräch. Er freute sich, wenn er Besuch bekam, weil ja nicht oft jemand in eine so abgelegene Landschaft kam. Sie sprachen über belanglose Dinge, über das Wetter und über die Bäume die sie sahen. Dem jungen Mann fiel auf, dass der ältere Mann nicht so viel Freude in seinem Herzen trug wie er, und so entschloss er sich, ihm eine Freude zu machen. Er dachte, wenn es dem Mann besser ginge, dann würde es ihm selber auch besser gehen, weil er ja wusste, dass alles in der Schöpfung miteinander verbunden ist. Während sie so weiter sprachen, fing der junge Mann an, zwischen den Wörter die er aussprach, ein Lächeln zu setzen. Er machte dass ganz bewusst, aber ohne die Mundwinkel zu verändern, sondern in seiner Vorstellung. Er sah seine Wörter und nach jedem Wort sah er ein Lächeln. Durch diese Vorstellung fügte er eine spezielle Energie den Wörtern zu. Dabei fühlte er sich selber auch besser, weil er innerlich lächelte. Der ältere Mann blieb sehr lange stehen, als wollte er gar nicht mehr weiter wandern. Das fiel dem jungen Mann auf und er spürte, wie der alte Mann sich bei ihm wohlfühlte. So verging die Zeit und es wurde schon dunkel. Der junge Mann lud den alten Mann zu sich nach Hause ein und kochte ihm eine warme Suppe. Er übernachtete sogar bei ihm, weil es bereits dunkel geworden war. Er bekam eine kuschelige Ecke im Wohnhaus, wo er sich hinlegen konnte, neben dem Kaminfeuer. Es wurde ihm im Herzen richtig schön warm. Am nächsten Morgen hatte der junge Mann allerhand zu tun. Er fütterte seine Ziegen und den Hund, und der alte Mann half ihm dabei. So entstand eine schöne Freundschaft zwischen ihnen. Der alte Mann besuchte den jungen Mann oft und wo immer er konnte, half er ihm. Für ihn war es keine Anstrengung, im Gegenteil, er genoss die Zeit jeweils sehr. Er konnte es selber nicht richtig verstehen, was ihn so anzog zu dem jungen Mann… er war einfach glücklich in seiner Gegenwart.

 

Das ist eine Geschichte über Weihnachten. Ist Weihnachten nicht ein Fest der Liebe? Aber wie kann man Liebe definieren? Es ist oft schwierig und jeder hat eine andere Vorstellung darüber, aber durch Taten kann man Liebe spüren. Ist nicht Liebe jenes Feingefühl, das der junge Mann hatte, als er spürte, dass es dem alten Mann nicht so gut ging? Ist nicht Liebe jene Handlung, zwischen den Wörter ein Lächeln aufzusetzen? Ist nicht Liebe die Gastfreundschaft, die Suppe und die Übernachtung am Kaminfeuer anzubieten? Ist nicht Liebe eine Möglichkeit zu geben, sich nützlich zu fühlen? Das ist in die Tat umgesetzte Liebe und an diesen Früchten kann man sie erkennen.

 

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